Über uns

1716 schlossen sich sorbische Studenten der evangelischen Theologie aus der Oberlausitz an der Universität Leipzig, Mosig, Bär, Bulitius und Kneschke, unter Führung der Magister Ast und Schirach zum „Wendischen Prediger-Collegium“ zusammen. Ihr Vorhaben war, Predigten in ihrer Muttersprache auszuarbeiten und sie sich gegenseitig vorzutragen, um sich auf ihre spätere Tätigkeit vorzubereiten. Nicht-Theologen schlossen sich 1755 als außerordentliche Mitglieder der nun so genannten „Societas Sorabica“ an.

Nach 50 Jahren, 1767, gaben die Ehemaligen des „Oberlausitz-wendisches Prediger-Kollegs“ eine „Oberlausitz-wendische Kirchenhistorie“ heraus und förderten weiterhin Sprache und Literatur der Sorben.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Lausitzer Heimat und die theologische Ausbildung für die Gesellschaft bindend. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelte sie sich zu einer Akademischen Verbindung, die 1909 den Namen „Sorabia“ annahm – dies sollte den Bezug zum Sorbenland herstellen und den Stiftern der Gesellschaft gerecht werden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchte die Aktivitas Anschluss an einen akademischen Verband, doch es dauerte bis 1934, dass der Anschluss an die Deutsche Landsmannschaft (DL) vollzogen wurde. Damit wurde auch das Prinzip der Bestimmungsmensur übernommen. Nach Ende des Dritten Reiches, in dem alle Verbindungen verboten waren, wurde auch der Altherrenverband in Leipzig aufgelöst. Dieser wurde 1953 in Marburg wieder gegründet; 1964 wurde in Münster eine Aktivitas eröffnet.

Im Jahr 1969 fusionierte diese mit der Landsmannschaft Westfalen, die 1920 in Münster gegründet worden war. Der Bund besteht bis heute und ist die älteste Studentenverbindung Deutschlands.

Die Landsmannschaft Sorabia-Westfalen ist Mitglied im Coburger Convent (CC) und im Münsteraner Waffenring (MWR). Sie ist pflichtschlagend, politisch und konfessionell ungebunden. Die Mitgliedschaft in der Landsmannschaft Sorabia-Westfalen kann grundsätzlich jeder unbescholtene, männliche Student einer der Hochschulen in Münster anstreben.

Aktiven-
leben

Mit der Aufnahme des Fuxenbandes ist der erste Schritt getan, um ein Teil und damit Mitglied bei zu werden. Schon während des Studiums formen wir eine fest verschworene Gemeinschaft, aus der sich viele Freundschaften entwickeln. Unser Verbindungshaus bietet jungen Studenten die Möglichkeit, in zentraler Lage seinem Studium nachzugehen.

Neben dem Studium planen wir gemeinsame Aktivenveranstaltungen, die eine große Bandbreite abdecken – es gehören Vorträge, Kneipen oder Kommerse, ein gemütlicher Tresenabend oder auch eine Aktivenfahrt mit dem Besuch anderer Korporations- und Hochschulstädte dazu, um den Horizont zu erweitern und dabei den Spaß nicht außer Acht zu lassen.

Das Lebensbundprinzip ist eines unserer Credos, denn auch nach dem Examen oder Studienabschluss begleiten wir uns durch alle Höhen und Tiefen des Lebens und bilden einen sicheren Hafen, falls es einem von uns mal nicht so gut geht.

Unser Verbindungshaus und regelmäßige Feste bieten einen gemeinsamen Anlaufpunkt und sorgen dafür, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren.

Netzwerk

Unser Bund ist auf lebenslange Dauer angelegt (Lebensbundprinzip).

Die jungen Studenten organisieren das Leben und entwickeln den Bund weiter, während die Alten Herren ideelle und finanzielle Unterstützung leisten und bei dem Studium und der Karriere behilflich sind. So bilden wir ein Generationen überspannendes Netzwerk, in dem Jung und Alt untereinander von ihrem Wissen und ihren Erfahrungen profitieren – im Privaten wie im Beruflichen.

An der Universität wird Fachwissen vermittelt. Bei allem, was hierüber hinausgeht, ist man auf sich selbst gestellt. Bei uns ermöglicht der Austausch mit Alten Herren und Kommilitonen anderer Fachbereiche interessante Blicke über den Tellerrand. Tanzkurse, freies Reden oder Rhetorikseminare sind für den sicheren Auftritt auf dem gesellschaftlichen Parkett durchaus nützlich. Die Organisation von Bällen, Cocktailpartys, Wanderfahrten und Vortragsabenden schult das Organisationstalent. Und was unterscheidet eine Vorstandssitzung von einem Verbindungsconvent? Wenig! Die Abläufe sind die Gleichen.

Auch wenn die Bildung von Freundschaften unser Hauptziel ist: Nicht jeder wird jedermanns Freund sein. Wir erwarten aber von jedem Bundesbrüderlichkeit, also Fairness, Rücksichtnahme, Loyalität und jederzeitige Hilfsbereitschaft. Unsere Bundesbrüderlichkeit manifestiert sich auch im selbstverständlichen „Du“ zwischen dem ältesten und dem jüngsten Mitglied.

Studenten-verbindungen

Verbindungen gibt es schon seit über 250 Jahren, wobei die Landsmannschaft Sorabia-Westfalen mit der Gründung im Jahre 1716 die nachweisbar älteste Studentenverbindung der Welt ist. Damals wie heute geben Verbindungen jedem Studenten die notwendige Unterstützung, die Herausforderungen des Studiums zu meistern. Vieles hat sich seitdem verändert – so auch das Zusammenleben in einer Verbindung. Doch eines bleibt trotz des Wandels unserer Zeit erhalten – die Gemeinschaft über das Studium hinaus und viele Dinge – die eine Hochschule nicht vermitteln kann: Führungsverhalten, Organisationstalent, Persönlichkeitsentwicklung, Disziplin, Rhetorik, die persönliche Kommunikation und andere Fähigkeiten. Und oft sind es gerade diese Schlüsselqualifikationen, die später im Berufsleben  oder bei einem weiteren Studium wichtig sind.

Der große Vorteil einer Verbindung ist das Erfahrungsnetzwerk. Wir bieten jedem Mitglied und Interessierten an, einen Einblick in die Praxis in das Verbindungsleben zu bekommen.

Praktiker aus allen Bereichen des Wirtschaftslebens geben gerne Ihr Wissen um Ihren Aufgabenbereich weiter. Sie helfen dabei, das Studium an den Anforderungen der Berufswelt auszurichten. So können sie z. B. jeden Studienanfänger darüber informieren, welche Kurse und Seminare am sinnvollsten zu belegen und welche Zusatzqualifikationen wirklich gefragt sind.

Sie vermitteln das Berufsbild und geben darüber hinaus auch Tipps und Anregungen für eine optimale Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. Dazu gehört es natürlich auch, dass sie entsprechende Praktika oder auch Unternehmensführungen anbieten.

Akademische
Fechten

Vielen Menschen, denen wir vom Akademischen Fechten erzählen, steht die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Jedoch weniger, weil sie noch nie etwas von fechtenden Studenten gehört haben, sondern vielmehr, weil es diese Tradition noch gibt. Häufig ist bekannt, dass das akademische Fechten in früheren Zeiten zum Studentenleben dazugehörte, quasi normal war.

Das Fechten allgemein gibt es in Europa seit der Antike. Seine heutige Form entstand mit der Erfindung der Feuerwaffen und dem daraus resultierenden Umbruch in den Kampftechniken. Neben Adligen waren früher auch bürgerliche Körperschaften, so zum Beispiel Handwerksinnungen und Fechtergesellschaften wehrhaft, die sich zur Ausbildung ihrer Mitglieder auch Fechtmeister anstellten und Schaufechtereien veranstalteten.

So lag es auf der Hand, dass sich auch bürgerliche Studenten das Waffenprivileg erstritten. Im Jahre 1514 gestattet Kaiser Maximilian I. das studentische Waffentragen und weitete somit das ursprünglich adlige Recht auch auf bürgerliche Studenten aus. Damit verfolgte er weniger das Ziel, studentische Duelle zu fördern, sondern vielmehr die Reise von einer Uni zur anderen für die Studenten sicherer zu machen. Dennoch war es von der Genehmigung, Waffen führen zu dürfen, nur noch ein kleiner Schritt zur Ausbildung eines eigenen Standesbewusstseins der Studenten.

Während unter Studenten ursprünglich noch das alte Hiebfechten praktiziert wurde, ging im Verlauf des 16. Jahrhunderts die Aristokratie schon zum aus dem romanischen Raum kommenden Stoßfechten – wie man es heute noch vom Sport kennt – über. Dazu war kein schweres Schwert, sondern ein leichterer Degen nötig. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts nahmen auch die Studenten den spanischen Korbdegen als Waffe an, der sowohl zum ‚Hieber’ als auch zum Stoßfechten taugte. Um die Jahrhundertwende des 16. & 17. Jahrhunderts wurde dann das Stoßfechten unter den Studenten usus, konnten die Partien doch so auch in Studentenbuden unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Die Landesherren versuchten stets das Duellieren der Studenten zu unterbinden, hatten sie doch kein Interesse daran, dass sich die ohnehin personell dünne intellektuelle Elite ihres Landes gegenseitig dezimierte.

Da das Stoßfechten wesentlich mehr Übung erforderte als das alte Hiebfechten, wurden mehr und mehr akademische Fechtmeister eingestellt (erstmals in 1558 in Jena), was natürlich nicht nur das Waffentalent der Herren Studiosi, sondern auch die Duellhäufigkeit derselben drastisch erhöhte. Aus diesem Grunde sahen sich die Obrigkeiten von Uni und Land immer wieder bemüßigt, durch Edikte der Duellwut der angehenden Akademiker Einhalt zu gebieten.

Mit der Einführung der Satisfaktionen im 19. Jahrhundert  begannen die Studenten mit dem aufkommenden Korporationenswesen Mensuren zu fechten und entwickelten das Akademische Fechten immer weiter. Heutzutage hat nunmehr fast jede Hochschulstadt ihren eigenen Comment, also ein Regelwerk, nach welchem die Studenten der jeweiligen unterschiedlichen Verbindungen ihre Partien miteinander fechten.

FAQ

Wie werde ich Mitglied?

Bei uns ist es ganz simpel, ein Teil unserer Verbindung zu werden. Du musst zunächst einmal ordentlicher, eingeschriebener, männlicher Student an der Universität oder an der Fachhochschule in Münster sein. Dies hat einerseits historisch-traditionelle und andererseits praktische Gründe, da sich das Zusammenleben unter Männern leichter gestaltet. Es spielt keine Rolle welcher Konfession Du angehörst oder ob Du überhaupt religiös bist. Wir machen zudem keinerlei Unterschiede zwischen Herkunft und Hautfarbe – bei uns kann jeder Student Mitglied werden, der die freiheitlich demokratische Grundordnung (Grundgesetz) anerkennt und respektiert.

Was ist Akademisches Fechten?

Unsere Verbindung vertritt neben anderen Grundsätzen auch das pflichtschlagende Prinzip. Das bedeutet, daß alle unsere Mitglieder drei Pflichtmensuren absolvieren müssen. Das Akademische Fechten hat eine lange Tradition, welches die Jahrhunderte überdauerte und Stück für Stück bis zum heutigen Tage verändert wurde. Es folgt einem strengen Regelwerk (sog. Comment) aus diversen Hiebarten, bei dem sich die Gegenpaukanten (= Kontrahenten) zweier unterschiedlicher Verbindungen einem Wettstreit stellen, wobei es am Ende weder einen Gewinner noch einen Verlierer gibt. Wie bei einem Boxkampf gibt es je nach Hochschulort eine bestimmte Anzahl an Runden, die ausgetragen werden, bis das sportliche Duell für beendet erklärt wird.

Warum nehmen wir keine Mädchen bzw. Frauen auf?

In der Welt der Studentenverbindungen gibt eine Vielzahl von Verbindungsarten (Burschenschaften, Corps, Sängerschaften, Jagdverbindungen, Akademische Ruderverbindungen, …). Da sich Studenten seit dem 18. Jahrhundert in Gruppen zusammengeschlossen und es Frauen erst seit dem 20. Jahrhundert gestattet ist zu studieren, folgt dies einem traditionellen Hintergrund. Wir sind weder frauenfeindlich, diskriminierend noch sexistisch, was Verbindungsstudenten oft nachgesagt wird – im Gegenteil sind Damen jederzeit herzlich bei uns willkommen! In den 1990er Jahren konnte die Verbindungsszene ein Aufwärtstrend von einigen Damenverbindungen in ganz Deutschland verzeichnen.

Was bedeutet der Begriff Landsmannschaft?

Wir sind eine Landsmannschaft, was schlicht bedeutet, dass sich damals Studenten an den Universitäten mit derselben territorialen Herkunft zusammengeschlossen haben. So haben sich Studenten, die sich, in unserem Fall aus der Lausitz kommen, zu einem Predigerkollegium vereint. Im 19. Jahrhundert kam der gängigere Terminus der Landsmannschaft auf. Es ist heutzutage mit einer Gilde, einem Schützen- oder Sportverein vergleichbar, bei dem bestimmte Werte und Ideale vertreten werden, der Sport gelebt und/oder eine Tradition aufrechterhalten wird, bei dem am Ende ein Gremium den Vorsitz erhält, welches sich auf eine Satzung/Geschäftsordnung stützt.